Forschung · KI-gestützte Methode

Forschen mit KI: ein Test am Dreikörperproblem

Kann jemand, der kein Mathematiker ist, mit KI-Unterstützung eine überprüfbare Forschungsarbeit in einem anspruchsvollen Gebiet aufbauen? Wir haben es am Dreikörperproblem getestet. Ein Raster-Scan lieferte 61 periodische Bahnen von drei gleich schweren Sternen. 36 stehen in veröffentlichten Katalogen, 24 finden wir in keinem. Dass sie neu sind, ist nicht bewiesen. Der Bericht zeigt vor allem, wie der Weg aussah und was sich daran nachprüfen lässt.

Veröffentlicht
22. Oktober 2026
Team
2Labs Research
Themen
KI-gestützte Forschung, Himmelsmechanik, Numerik
Status
Zwischenbericht, nicht begutachtet

Worum es hier geht

Das Dreikörperproblem ist der Testfall. Wer darin forscht, braucht normalerweise Kenntnisse in Himmelsmechanik, numerischer Mathematik und Programmierung. Nils, der dieses Projekt leitet, ist kein Mathematiker. Die Frage war deshalb nicht nur, ob der Scan etwas findet, sondern wie weit man mit KI-Unterstützung in ein solches Gebiet vordringt, ohne dass das Ergebnis nur nach Forschung aussieht.

Dieses Risiko ist real. Ein Text kann wissenschaftlich klingen, ohne dass die Zahlen stimmen. Der Maßstab ist deshalb nicht der Bericht selbst, sondern was sich nachprüfen lässt. So war die Arbeit aufgeteilt:

Was die Prüfung noch nicht leistet: Sie liegt bisher bei uns selbst, der Bericht ist nicht begutachtet, und ein strenger Existenzbeweis fehlt. Die Fachkompetenz verschwindet dadurch nicht, sie verlagert sich. Weg davon, jeden Rechenschritt selbst auszuführen, hin zu den richtigen Fragen, zum kritischen Prüfen und zum Einfordern belastbarer Nachweise. Wie viel von den Verfahren der Projektleiter im Detail selbst nachvollzieht, ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist, ob andere die Ergebnisse nachrechnen können.

Der Testfall: drei Körper

Zwei Körper, die sich anziehen, laufen auf Ellipsen, und das ist seit Newton gelöst. Bei drei Körpern gibt es keine allgemeine Formel. Fast alle Bewegungen sind chaotisch und enden irgendwann damit, dass einer der Körper davonfliegt. Die Ausnahmen sind periodische Bahnen, bei denen sich die Konfiguration nach einer festen Zeit exakt wiederholt. Die berühmteste ist die Acht, bei der drei gleiche Massen hintereinander dieselbe liegende Acht durchlaufen. Sie wurde 1993 numerisch gefunden und im Jahr 2000 bewiesen.1

Seit 2013 sind Hunderte weitere Bahnen dazugekommen, zuerst 13 Familien von Šuvakov und Dmitrašinović, dann 695 Familien von Li und Liao, zuletzt 971 stabile Bahnen aus der Sofia-Suche von 2025. Wir wollten wissen, ob ein einfacher Raster-Scan auf einem normalen Rechner diese Bahnen von allein wiederfindet, ob er etwas übersieht, und ob sich in den Daten eine Regel zeigt.

Der Scan

Wir setzen zwei Körper auf (−1, 0) und (+1, 0) und den dritten in den Ursprung. Die ersten beiden bekommen dieselbe Geschwindigkeit (v₁, v₂), der dritte die doppelte, entgegengesetzte. Damit sind Impuls und Drehimpuls null, und zwei Zahlen legen die Bahn fest. Für jedes Paar auf einem 1000 × 1000 Raster rechnen wir die Bewegung und merken uns, wie nah das System dem Startzustand je wieder kommt. Dunkle Stellen der Karte sind Orte, an denen eine periodische Bahn in der Nähe liegt.

in KatalogKandidat
Kleinster Abstand zum Startzustand für jeden Startpunkt (v₁, v₂). Die Punkte sind die 61 verfeinerten Bahnen aus zwei Scans, die Kandidaten liegen zwischen den bekannten. Grau markiert Beinahe-Kollisionen, wo die Rechnung abgebrochen wurde.

Aus den dunklen Stellen werden die Startwerte auf exakte Rückkehr verfeinert und mit einem zweiten Integrator nachgerechnet. Übrig blieben 61 verschiedene Bahnen. Darunter sind ohne Vorwissen die Acht, Butterfly I und II und Moth I.

Drei Bahnen, die der Scan ohne Vorwissen wiedergefunden hat: die Acht, Butterfly I und Moth I. Jede läuft über eine volle Periode, die Skalen sind nicht gleich.

Eine Faustregel für die Periode

Vergleicht man Bahnen verschiedener Größe, hilft die skalenfreie Periode T* = T · |E|3/2, mit der Periode T und der Gesamtenergie E.2 Zählt man außerdem, wie oft die drei Sterne während einer Periode auf einer Geraden stehen (n), zeigt sich ein fast linearer Zusammenhang.

in einem Katalog gefundenKandidaten ohne KatalogtrefferT* = 1,518 · n
050100150050100150200250n = 6, T* = 9,238 (Li–Liao 2017)n = 10, T* = 15,049 (Atlas)n = 14, T* = 19,931 (Atlas)n = 14, T* = 19,932 (Li–Liao 2017)n = 16, T* = 24,206 (Li–Liao 2017)n = 20, T* = 29,602 (Li–Liao 2017)n = 24, T* = 34,802 (Li–Liao 2017)n = 24, T* = 36,771 (Li–Liao 2017)n = 24, T* = 36,909 (Atlas)n = 24, T* = 36,940 (Atlas)n = 26, T* = 39,075 (Li–Liao 2017)n = 28, T* = 39,644 (Li–Liao 2017)n = 28, T* = 42,782 (Li–Liao 2017)n = 28, T* = 42,783 (Atlas)n = 30, T* = 46,064 (Atlas)n = 34, T* = 49,630 (Li–Liao 2017)n = 36, T* = 53,857 (Li–Liao 2017)n = 38, T* = 54,959 (Li–Liao 2017)n = 42, T* = 59,455 (Li–Liao 2017)n = 44, T* = 64,445 (Li–Liao 2017)n = 42, T* = 64,655 (Sofia-Liste)n = 46, T* = 68,687 (Li–Liao 2017)n = 54, T* = 79,274 (Atlas)n = 54, T* = 80,050 (Atlas)n = 10, T* = 15,048 (Li–Liao 2017)n = 36, T* = 53,260 (Atlas)n = 36, T* = 55,204 (Li–Liao 2017)n = 38, T* = 57,728 (Li–Liao 2017)n = 40, T* = 61,290 (Li–Liao 2017)n = 42, T* = 64,649 (Atlas)n = 46, T* = 68,673 (Li–Liao 2017)n = 54, T* = 79,255 (Li–Liao 2017)n = 56, T* = 83,483 (Atlas)n = 56, T* = 83,484 (Li–Liao 2017)n = 56, T* = 83,484 (Li–Liao 2017)n = 64, T* = 94,063 (Li–Liao 2017)n = 28, T* = 39,645 (in keinem Katalog)n = 30, T* = 46,013 (in keinem Katalog)n = 30, T* = 46,016 (in keinem Katalog)n = 42, T* = 64,652 (in keinem Katalog)n = 56, T* = 79,288 (in keinem Katalog)n = 60, T* = 92,177 (in keinem Katalog)n = 60, T* = 92,214 (in keinem Katalog)n = 78, T* = 119,734 (in keinem Katalog)n = 102, T* = 156,825 (in keinem Katalog)n = 102, T* = 156,878 (in keinem Katalog)n = 114, T* = 175,389 (in keinem Katalog)n = 114, T* = 175,397 (in keinem Katalog)n = 42, T* = 64,662 (in keinem Katalog)n = 48, T* = 73,818 (in keinem Katalog)n = 60, T* = 92,120 (in keinem Katalog)n = 84, T* = 129,296 (in keinem Katalog)n = 114, T* = 175,468 (in keinem Katalog)n = 150, T* = 230,441 (in keinem Katalog)n = 156, T* = 240,046 (in keinem Katalog)n = 157, T* = 240,059 (in keinem Katalog)n = 156, T* = 240,062 (in keinem Katalog)n = 156, T* = 240,062 (in keinem Katalog)n = 156, T* = 240,113 (in keinem Katalog)n = 156, T* = 240,114 (in keinem Katalog) Acht n, Geradendurchgänge pro volle Periode T*, skalenfreie Periode
60 Bahnen. Die Bahn mit T* ≈ 202,92 fehlt hier, weil sie sich nicht schließen ließ. Im Mittel weichen die Punkte 2,2 % von der Geraden ab.

Die Konstante 1,518 haben wir an 36 Bahnen aus dem ersten Scan festgelegt (R² = 0,998) und vorab schriftlich als Vorhersage festgehalten. Danach lief ein zweiter Scan mit anderem Raster. An 25 neuen Bahnen, darunter n bis 157, lag die Vorhersage im Mittel 1,5 % daneben, maximal 3,4 %. Zum Vergleich: Stur den Mittelwert vorherzusagen, liegt im Schnitt etwa 50 % daneben.

Das ist eine Faustregel und kein Gesetz. Ein ähnlicher Zusammenhang ist in der Literatur bekannt, dort mit der Länge eines Wortes der freien Gruppe statt der Geradendurchgänge.3 Neu ist hier nur die unabhängige Bestätigung mit vorab festgelegter Vorhersage.

Bahnen ansehen

Die folgenden zehn Bahnen sind aus dem Scan. Fünf sind bekannt, fünf sind Kandidaten. Jede Farbe ist ein Stern, gezeigt wird eine volle Periode.

Alle Bahnen laufen hier gleich lang pro Umlauf, damit man die Formen vergleicht, nicht die Geschwindigkeiten. Die Daten stammen aus der Rechnung (bei Kandidaten aus der geschlossenen Bahn).

Instabil heißt empfindlich

Alle 24 Kandidaten sind linear instabil, eine winzige Störung wächst also mit jedem Umlauf. Das messen wir mit der Monodromiematrix. Ihre größten Multiplikatoren liegen bei den Kandidaten zwischen 7,2 und 1,8e+9. Bei der Acht sind sie genau eins, sie ist stabil. Im Versuch unten bekommt je eine Kopie der Bahn einen Versatz von 1,0e-6 bei zwei Sternen.

Acht (stabil)Abstand –
Kandidat A (instabil)Abstand –
Gefüllte Punkte sind die Bahn, Ringe die gestörte Kopie. Unten der Abstand der beiden Rechnungen über 60 Zeiteinheiten, logarithmisch. Bei der Acht bleibt er klein (höchstens 2,8e-4), bei Kandidat A wächst er auf 2,1 und die Kopie läuft davon.

Für die Suche ist das ein Problem und eine Gelegenheit. Instabile Bahnen sind in den Katalogen seltener, weil sie schwer zu finden sind. Sie lassen sich aber auch schwerer nachrechnen, und das hat uns später einiges gekostet.

Gegen die Kataloge

Jede Bahn wurde mit drei Quellen verglichen: der Li-Liao-Tabelle (695 Familien), der Sofia-Liste (971 stabile Bahnen) und dem Atlas threebodyorbits.com. Der Atlas sammelt 3.942 Bahnen, darunter die Belgrader Klassen von Šuvakov und Dmitrašinović. Deren eigener Katalog-Server war während der Arbeit nicht erreichbar.

36in Katalogen: 24 Li–Liao, 1 Sofia, 11 Atlas
24Kandidaten, in keiner Quelle
1nicht geschlossen, vermutlich keine echte Bahn

Verglichen wird die skalenfreie Periode, denn sie hängt nicht davon ab, wo auf der Bahn man startet. Bei Li–Liao ließ sich das erst entscheiden, nachdem wir die Katalogeinträge selbst auf exakte Rückkehr gerechnet hatten, weil die Tabelle T* nur auf drei Stellen angibt. Zwei Treffer haben andere Startwerte, aber eine Periode, die auf 1e-9 stimmt: dieselbe Bahn, an anderer Stelle gestartet.

Die 11 Treffer im Atlas, die in Li–Liao und Sofia fehlen, ordnet der Atlas so zu: 6 Šuvakov, 3 Rose 2016, 2 Hristov 2024. Bei jedem stimmen die Periode (auf 5e-7), die Zahl der Geradendurchgänge und der größte Multiplikator überein, der Letzte auf drei bis vier Stellen. Das bestätigt die Zuordnung und nebenbei unsere Stabilitätsrechnung. Als Probe fand der Atlas auch alle 25 Bahnen wieder, die vorher schon über Li–Liao oder Sofia identifiziert waren. Für die 24 Kandidaten liegt der nächste Atlas-Eintrag mindestens 4,2e-4 entfernt, gleiche Bahnen liegen unter 5e-7.4

Die Kandidaten schließen

Ein erster Versuch, die Kandidaten mit einem Newton-Lauf über die ganze Periode genauer zu machen, scheiterte bei etwa 1e-5. Eine instabile Bahn verstärkt Rundungsfehler über eine Periode um bis zu 1,1e+10. Die Lösung war ein Mehrfach-Schießverfahren: Die Periode wird in 21 bis 486 Stücke geteilt, und alle Stückanfänge werden gemeinsam so bestimmt, dass jedes Stück am Anfang des nächsten endet.5 Die Verstärkung wirkt dann nur noch innerhalb eines Stücks.

So schlossen sich 24 der 25 offenen Bahnen auf höchstens 4,8e-13 Sprung zwischen den Stücken, auch solche, die vorher nur auf 4e-3 geschlossen hatten. Jedes Stück haben wir zusätzlich in mpmath mit 22 Stellen einzeln nachgerechnet, der größte Sprung dort beträgt 1,2e-12. Die Bahn mit T* ≈ 202,92 blieb bei 2,0e-4, auch mit 98 Stücken. Sie fällt als Kandidat weg.

NrT*nT vollλmaxStückeSprungSprung mpmathAtlas-AbstandStatus
K139,6448492810,45375,5e+1213,0e-131,0e-124,2e-4geschlossen
K246,0125323051,39391,1e+42061,4e-143,0e-145,1e-2geschlossen
K346,0156983055,64582,3e+41121,9e-148,2e-144,8e-2geschlossen
K464,6517214233,86157,2e0341,5e-145,9e-143,0e-3geschlossen
K564,6620344237,76982,6e+11521,1e-131,1e-136,6e-3geschlossen
K673,8177384835,95871,1e+2361,8e-148,9e-142,9e-3geschlossen
K779,2882255620,88237,5e+2424,8e-131,2e-121,1e-2geschlossen
K892,11965760100,01172,4e+44017,0e-152,4e-141,0e-2geschlossen
K992,1771286039,13393,4e+8403,2e-142,3e-134,7e-2geschlossen
K1092,2143846077,42292,6e+3781,3e-148,3e-148,4e-2geschlossen
K11119,7344317857,65704,2e+5583,4e-142,3e-131,0e-1geschlossen
K12129,29610584133,05284,2e+11341,7e-142,2e-143,9e-3geschlossen
K13156,82492110276,22351,5e+5771,9e-141,6e-133,9e-2geschlossen
K14156,87783110279,46488,9e+43181,0e-143,1e-149,2e-2geschlossen
K15175,38908011487,85111,9e+3881,8e-148,0e-149,9e-2geschlossen
K16175,39676611486,70188,2e+61741,3e-144,3e-141,1e-1geschlossen
K17175,46797711493,30274,1e+33748,7e-152,6e-141,8e-1geschlossen
K18202,91915113299,41708,7e+9982,0e-4–5,1e-2nicht geschlossen
K19230,441229150111,04355,8e+34455,6e-145,5e-143,5e-1geschlossen
K20240,046342156121,55002,2e+32441,8e-144,6e-144,2e-1geschlossen
K21240,059424157118,13491,8e+92411,9e-144,0e-144,4e-1geschlossen
K22240,061913156120,64124,6e+41213,2e-147,6e-144,4e-1geschlossen
K23240,062092156121,34323,9e+54869,5e-157,5e-154,4e-1geschlossen
K24240,112633156126,94726,5e+41273,8e-148,4e-144,9e-1geschlossen
K25240,114072156132,66492,6e+12661,2e-142,9e-144,9e-1geschlossen
λmax ist der größte Multiplikator der Monodromiematrix (stabil wäre 1). Sprung ist der größte Abstand zwischen Stückende und nächstem Stückanfang, Atlas-Abstand der Unterschied zur nächsten skalenfreien Periode im Atlas. Anfangszustände und Perioden liegen in der Datei kandidaten.csv.

Was das bringt und was nicht

Eine universelle Formel haben wir nicht gefunden. Das Dreikörperproblem hat keine einfache allgemeine Lösung, und die Faustregel T* ≈ 1,518 · n trifft nur auf etwa 2 % genau und ist in ähnlicher Form schon bekannt.

Was bleibt, ist kleiner und sicherer. Ein Raster-Scan auf einem normalen Rechner findet die bekannten Bahnen von allein wieder. Die Pipeline aus Scan, Katalogabgleich, Mehrfach-Schießen und unabhängiger Nachrechnung ist nachprüfbar, und ihre Fehler sind dokumentiert. Und 24 geschlossene Bahnen sind in den geprüften Quellen nicht zu finden. Wenn sie neu sind, wären das Einträge für die Kataloge und Testfälle für Rechenverfahren. Eine Entdeckung im großen Sinn wäre es nicht.

Für die Arbeitsweise sagt das Ergebnis mehr als für die Mathematik. Es zeigt, dass sich mit KI-Unterstützung eine Kette aus Scan, Verfeinerung, getrennter Nachrechnung, Katalogabgleich und Auswertung aufbauen lässt, in der jeder Schritt dokumentiert ist und Fehler sichtbar werden (siehe „Fehler unterwegs“). Es zeigt nicht, dass die Ergebnisse stimmen. Das entscheidet sich daran, ob andere sie nachrechnen können. Dafür haben wir Code, Startzustände und Zwischenergebnisse veröffentlicht (siehe „Daten und Code“). Nachgerechnet haben sie bisher nur wir.

Unsere Vermutung

Eine Lösung im Sinn einer Formel gibt es nicht. Wir können aber etwas Prüfbares behaupten. Teilt man die skalenfreie Periode durch die Zahl der Geradendurchgänge, also T*/n, dann liegt dieser Wert bei fast allen Bahnen in einem schmalen Streifen. Die Obergrenze des Streifens ist scharf, und sie gehört der Acht: 9,2377 / 6 = 1,5396.

Vermutung. Für jede periodische Dreikörperbahn mit drei gleichen Massen und Drehimpuls null ohne Kollision gilt T* ≤ 1,5396 · n. Gleichheit erreicht die Acht, und damit auch jede Wiederholung von ihr.

02004006001.09 bis 1.10: 2 Bahnen1.15 bis 1.16: 1 Bahnen1.16 bis 1.17: 1 Bahnen1.17 bis 1.18: 1 Bahnen1.18 bis 1.19: 1 Bahnen1.20 bis 1.21: 1 Bahnen1.21 bis 1.22: 1 Bahnen1.22 bis 1.23: 1 Bahnen1.23 bis 1.24: 1 Bahnen1.24 bis 1.25: 1 Bahnen1.25 bis 1.26: 1 Bahnen1.26 bis 1.27: 1 Bahnen1.27 bis 1.28: 4 Bahnen1.29 bis 1.30: 1 Bahnen1.31 bis 1.32: 2 Bahnen1.32 bis 1.33: 2 Bahnen1.36 bis 1.37: 1 Bahnen1.37 bis 1.38: 1 Bahnen1.38 bis 1.39: 2 Bahnen1.39 bis 1.40: 6 Bahnen1.40 bis 1.41: 5 Bahnen1.41 bis 1.42: 36 Bahnen1.42 bis 1.43: 92 Bahnen1.43 bis 1.44: 97 Bahnen1.44 bis 1.45: 106 Bahnen1.45 bis 1.46: 96 Bahnen1.46 bis 1.47: 108 Bahnen1.47 bis 1.48: 108 Bahnen1.48 bis 1.49: 90 Bahnen1.49 bis 1.50: 116 Bahnen1.50 bis 1.51: 39 Bahnen1.51 bis 1.52: 89 Bahnen1.52 bis 1.53: 118 Bahnen1.53 bis 1.54: 667 Bahnen Acht: 1,5396 1,11,21,31,41,5 T* / n, skalenfreie Periode pro Geradendurchgang Zahl der Bahnen
T*/n für 1.800 Bahnen im Atlas mit gleichen Massen und Drehimpuls null. 1.799 liegen unter der gestrichelten Linie. Der letzte Balken enthält mehrere hundert Bahnen. Rund 290 liegen auf 0,1 % an der Grenze, darunter Familien wie hs_eight und hs_chor. Ob das alles Wiederholungen oder Varianten der Acht sind, haben wir nicht geprüft. Unsere 61 Bahnen liegen alle darunter, die höchste bei 1,5396.

Der Test hat eine Ausnahme: ii_dragonfly_ii_17_c mit n = 98 und T*/n = 1,596. Wahrscheinlich ist dort die Zahl der Geradendurchgänge zu klein gezählt (bei 102 oder mehr läge der Wert unter der Grenze). Das haben wir nicht nachgerechnet, weil der Atlas keine Startwerte liefert. Bis das geklärt ist, ist es eine Vermutung und kein Satz.

Wiederholt man eine Bahn k-mal, verdoppelt sich T* mit n, und das Verhältnis bleibt gleich. Die Aussage lautet also: Keine Bahn braucht im Mittel länger pro Geradendurchgang als die Acht. Eine mögliche Deutung, die wir nicht bewiesen haben: Nähere Begegnungen der Sterne beschleunigen die Bewegung. Passend dazu hängt T*/n mit dem kleinsten Abstand zusammen (Rangkorrelation 0,65 über alle Atlas-Bahnen). Nimmt man den kleinsten Abstand als zweite Größe in die Faustregel auf (für Bahnen mit n ≥ 20), sinkt die mittlere Abweichung von 2,7 % auf 2,1 %, auch auf einer abgetrennten Testhälfte. Das ist eine kleine Verbesserung. Die Hälfte der Streuung bleibt unerklärt.

Zur Frage, wie man das Problem lösen könnte, gibt es zwei Wege. Der eine ist der der Literatur: Bahnen nach ihrer Topologie ordnen (ein Wort in der freien Gruppe mit zwei Erzeugern) und zeigen, dass die Periode daraus folgt. Das ist offen und schwer. Der andere ist rechnerisch: Für jede Bahn mit Intervallarithmetik beweisen, dass sie existiert. Dann steht ein Katalog, auf dem man Vermutungen wie die obige falsifizieren kann. Wir haben den zweiten Weg begonnen. Ob die Obergrenze in der Literatur schon steht, wissen wir nicht, wir haben sie dort nicht gefunden und auch nicht systematisch gesucht.

Was noch fehlt

  1. Nachrechnung durch Dritte. Code und Daten sind veröffentlicht, ausgeführt haben wir sie bisher nur selbst.
  2. Rückfrage bei den Katalogautoren, ob die 24 Bahnen bekannt sind. Ein Entwurf liegt vor und ist nicht versendet.
  3. Durchsicht der Veröffentlichungen im Volltext, auch für instabile Bahnen. Bisher geprüft wurden die Kataloge und Zusammenfassungen.
  4. Ein strenger Existenzbeweis mit Intervallarithmetik. Die Rechnung zeigt, dass sich die Bahnen schließen, beweist es aber nicht im mathematischen Sinn.
  5. Die Kandidaten ordnen: Welche gehören zur selben Familie, welche sind eigenständig?

Methode und Fehler

Daten und Code
  • dreikoerper-code.zip (0,6 MB): der gesamte veröffentlichte Ordner mit Code, Ergebnisdaten und Katalogabgleichen. Gebraucht werden Python 3 mit numpy, scipy, mpmath und matplotlib sowie gcc für die C-Teile.
  • README: die Reihenfolge der Schritte vom Scan bis zur Seite.
  • kandidaten.csv: Anfangszustände, Perioden, Multiplikatoren und Sprünge der 25 offenen Bahnen (K1 bis K25).
  • bahnen.csv: alle 61 Bahnen mit Startwerten, Periode, Energie, n und Prüfstatus.
  • prediction.txt: die vorab festgehaltene Vorhersage.
  • data.js: die Daten hinter den Abbildungen auf dieser Seite.
  • Nicht dabei sind die Kataloge selbst (die Adressen stehen in der README) und die Rohkarten der Scans, die sich mit scan.c neu erzeugen lassen. Die Pfade im Code zeigen auf unsere Arbeitsumgebung und müssen angepasst werden.
Wie gesucht und geprüft wurde
  • Zwei unabhängige Scans: 1000 × 1000 Startpunkte bis t = 30 und 800 × 800 bis t = 45. Gesucht ist der kleinste Abstand zum Startzustand, minimiert über die sechs Vertauschungen der Körper.
  • Treffer unter 0,1 werden per Levenberg-Marquardt auf (v₁, v₂, T) verfeinert und mit einem zweiten Integrator (DOP853) nachgerechnet. Bahnen mit minimalem Abstand unter 0,002 zwischen zwei Körpern fallen heraus.
  • Katalogvergleich über die auf exakte Rückkehr gerechnete skalenfreie Periode. Im Atlas, der nur Periode, Energie und Zahl der Geradendurchgänge führt, sind Letztere und der Multiplikator die Gegenprobe.
  • Stabilität über die Monodromiematrix: vier nichttriviale Eigenwerte. Kontrolle: Acht stabil, Butterfly I instabil.
Fehler unterwegs und wie sie behoben wurden
  • Butterfly I fiel zuerst durch einen zu strengen Filter (Mindestabstand 0,02). Mit 0,002 stiegen die erfolgreichen Verfeinerungen von 324 auf 949.
  • Mit 6.000 statt 60.000 Abtastpunkten wurden Geradendurchgänge verpasst. Danach stieg R² von 0,992 auf 0,998.
  • Der erste Katalogvergleich lief nur über gerundete Tabellenwerte und zeigte 37 Bahnen ohne Treffer. Mit exakten Perioden fand sich eine weitere in der Sofia-Liste, im Atlas danach 11 weitere.
  • Der erste Mehrfach-Schieß-Versuch in Python war zu langsam. Ein C-Integrator mit Variationsgleichungen machte ihn etwa 100-mal schneller. Mit Stücken von 1 bis 2 Zeiteinheiten blieben einige Bahnen bei 1e-10 stehen, mit 0,25 bis 0,5 schlossen sie.
  • In der ersten Fassung galten Bahnen mit Rückkehr über 1e-6 als nicht belegt. Das Mehrfach-Schießen hat gezeigt, dass sie sich schließen lassen (vorher bis 3,7e-3). Nur eine nicht.

Fußnoten

  1. Moore (1993) fand die Acht numerisch, Chenciner und Montgomery (2000) bewiesen ihre Existenz. ↩
  2. T* ist die Periode, die man bekäme, wenn man die Bahn so skaliert, dass |E| = 1 ist. Sie macht Bahnen unterschiedlicher Größe vergleichbar. ↩
  3. Dmitrašinović, Šuvakov und Kollegen (2015), siehe Quellen. Die Zusammenfassung nennt etwa 10 % Abweichung im schlechtesten Fall, bei uns liegt sie mit anderer Zählung bei 3,4 % im Test. Ich kenne die Arbeit nur aus einer Zusammenfassung. ↩
  4. Der Atlas gibt die Energie nur auf sieben Stellen an, deshalb ist seine skalenfreie Periode auf etwa 1e-7 relativ genau. Das legt die Toleranz von 5e-7 fest. ↩
  5. Englisch multiple shooting. Die Stückanfänge sind gemeinsame Unbekannte, die Bedingung ist, dass das Ende jedes Stücks auf den Anfang des nächsten fällt. Gelöst wird mit einem Gauß-Newton-Verfahren. ↩

Autoren und Danksagung

Nils (2Labs Research), gemeinsam mit Claude, das Rechnungen, Auswertung und Texte mitgeschrieben hat. Wir danken den Autoren der Kataloge, auf denen der Abgleich beruht: Šuvakov und Dmitrašinović, Li und Liao, Hristov und Kollegen in Sofia, und dem Atlas threebodyorbits.com (Daten unter CC BY 4.0).

Quellen